Private Wetterstation Kalkriese

Lat.: 52° 24' 26" Nord • Long.: 8° 04' 41" Ost • Höhe: 57 m ü. NN
Samstag, 24. Oktober 2026 • 09:52:54 (UTC+2)

Wettervorhersage externer Anbieter



Bodenanalysekarten und Synoptische Übersichten

Luftdruck - Fronten - Wetter

Nordatlantik - Europa
 
 
Nordatlantik - Europa


Quelle: Deutscher Wetterdienst, Quelldatei bearbeitet und eigene Angaben ergänzt.




SXEU31 DWAV 230800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 23.10.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWz mit ganz leichtem Hang zu Wz (Südwest/West zyklonal).

LUISE und MANJA mischen auf - abwechslungsreiches und sehr unbeständiges
Wochenende mit teils kräftigen Regenfällen, Gewittern sowie Wind und Sturm. Am
Sonntag an der Nordsee erst schwerer Süd-, dann schwerer Weststurm!

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
--------------------------------------------------------------
Freitag... stehen wir unmittelbar vor einem Wochenende, an dem nicht nur die
Zeit umgestellt wird und die Bayern ins ungeliebte Breisgau zum heimischen SCF
reisen müssen. Nein, auch synoptisch-meteorologisch wird ganz weit oben ins
Regal gegriffen, um allen Anhängern abwechslungsreicher und spannender
Wetterlagen einige Filethappen zu kredenzen. Auch die Diensthabenden werden mal
wieder richtig gefordert, was aber auch gut so ist, damit man nicht in die
klassisch herbstliche Lethargie mit Nebel ja/nein und "sonst nix los" verfällt.

Einsteigen wollen und müssen wir am heutigen Freitag, an dem wir uns nach einer
vergleichsweise beschaulichen Tagesphase mehr und mehr einem Tief widmen müssen,
das aktuell noch mitten im Ärmelkanal steckt. Die Rede ist von LUISE, die
international auf den Namen Austen getauft wurde. LUISE ist von Beruf Sturmtief,
kein gewöhnliches, sondern ein sogenanntes hybrides, wobei vor allem der warme
Kern ins Auge sticht und das Tief von einem Klassiker der Norwegischen Schule
unterscheidet. Für den Titel echte Shapiro-Keyser-Zyklone (SKZ) reicht es aber
nicht, was an dieser Stelle nicht aber weiter vertieft werden soll. Fakt ist,
dass der Kerndruck heute Morgen etwa zwischen 980 und 985 hPa liegt und das Tief
- obwohl entkoppelt von der mäandrierenden Frontalzone und schon mitten im Trog,
also im kalten Bereich liegend - sich sogar noch geringfügig vertieft respektive
recht lange den Status Quo hält, was u.a. auf die warme Kernstruktur zurückgeht.


Auf alle Fälle wird das Tief in den nächsten Stunden den Ostausgang des Kanals
nehmen und sich wahrscheinlich knapp offshore entlang der niederländischen Küste
entlanghangeln, um am Abend Nordholland bzw. die Zuidersee zu erreichen. Während
die Zugbahn mittlerweile von den Modellen gut und weitgehend kongruent gehändelt
wird, tun sich Mensch und Maschine hinsichtlich der Frontenstruktur schwer.
Heute Nacht wurde noch "klassisch" analysiert (Warm-/Kaltfront, Okklusion), doch
wird sich dieses Modell nur schwer halten lassen. Vor allem die Kaltfront hat
keine wirkliche Überlebenschance. Neben dem zum Abreißen zum Kernbereich, was ja
nicht untypisch ist für hybride Tiefs, kommt die mangelnde Baroklinität, die das
Detektieren einer Front zunehmend erschwert. Von daher an dieser Stelle gar
nicht so viel Theorie und Konzeption, sondern vielmehr eine praktische
Betrachtungsweise.

Die zeigt uns nämlich schon aktuell, wie die LUISE gestrickt ist. So werden um
den Tiefkern herum mehrere konvektiv geprägte Regenbänder gewickelt, während
vorderseitig so etwas wie skaliger Regen erkennbar ist, der auf den
Warm-Conveyor-Belt zurückgeht. Letzterer wird sich im Tagesverlauf
ost-nordostwärts ausbreiten, ohne dabei nennenswerte Akzente zu setzen. Was von
Westen folgt sind dann mit Unterbrechungen bis weit in die kommende Nacht hinein
die konvektiven und weit intensiveren Anteile. Summiert man das Ganze über 24
Stunden bis Samstagfrüh auf, ergibt sich eine ziemlich ungerechte Verteilung.
Während in der Osthälfte abgesehen vom südöstlichsten Bayern und dem Alpenrand
(dort vor allem in der Nacht Niederschlag, Schneefallgrenze auf etwa 1000 m
sinkend) Schmalhans den Küchenmeister gibt und vielfach noch nicht mal einen
einzigen Millimeter in seine (Koch)Töpfe bringt, wird nach Westen hin,
schwerpunktmäßig in den Staulagen der dortigen Mittelgebirge ganz ordentlich
geklotzt. Teile des Bergischen Lands, des Hunsrücks und der Eifel können bis zu
30, ganz lokal vielleicht 40 l/m² erwarten. Ansonsten stehen zwischen
Saarland/RP und Nordsee gebietsweise 10 bis 15, punktuell bis zu 20 l/m² auf der
Karte. Hinzu könnten heute Nachmittag im Südwesten noch ein oder zwei Gewitter
dazukommen, wenn es nämlich etwas labilisiert und die Spitze des Höhentrogs
näherkommt. Viel CAPE steht nicht zur Verfügung, dafür schert es ganz gut.
Wenn´s rumsen sollte, dann könnten Böen 8-9 Bft begleitend mit von der Partie
sein.

Jetzt aber endlich zum wichtigsten Parameter, dem Wind. Der legt nämlich aus
südlichen Richtungen kommend in den nächsten Stunden in der Westhälfte sowie im
zentralen Mittelgebirgsraum kontinuierlich zu. Dabei muss mit Böen 7-8 Bft, im
Bergland je nach Exposition 8 bis 10 Bft, dem Brocken 11 Bft gerechnet werden.
Summa summarum alles noch in normalen herbstlichen Bahnen ohne die ganz großen
Ausschläge. Die kommen dann erst ab den Abendstunden ins Spiel, wenn der
Tiefkern näherkommt, sprich, den Norden Hollands überquert, die ostfriesische
Küste erreicht, um schlussendlich in den Morgenstunden irgendwo im Raum Sylt
anzulanden. Zwar beginnt sich die LUISE onshore reibungsbedingt allmählich
aufzufüllen, der Gradient bleibt aber äußerst veritabel aufgestellt. Noch
imposanter sind allerdings die Höhenwinde, die am Südrand des Kerns
wahrscheinlich in Form eines Cold-Jets (CJ) auftreten: bis 70 Kt auf 850 hPa, je
nach Modell um oder sogar über 50 Kt auf 950 hPa sind wuchtige Zahlen, die von
niederländisch-belgischer Seite auf Teile des Westens zukommen. Die Frage ist,
wie viel von diesem zwischen 1 und 2 km Höhe auftretenden Maximum kann am Ende
runtergemischt werden. Eine Frage, die schwer zu beantworten ist und stark davon
abhängt, wie der Entwicklungsstand des Tiefs (der ja eher leicht absteigend ist)
mit der Labilität und dem Gradienten interagiert. Die Modelle scheinen gegenüber
gestern etwas entspannter dreinzuschauen. Trotzdem sollten wir vor allem von
RP/Saarland bis nach NRW, am späteren Abend dann auch in Teilen von NDS von Böen
9 Bft und vereinzelt auch schweren Sturmböen 10 Bft ausgehen. In einigen
Hochlagen wie z.B. dem Brocken oder auch im Hochschwarzwald kommt es sogar zu
Orkanböen 12 Bft. Mit Verlagerung des schwächelnden Tiefs wandert auch das
Starkwindfeld über den Norden ostwärts, wobei zu einer allmählichen Abschwächung
kommt. Gleichwohl muss noch mit Böen 8 Bft, anfangs vereinzelt 9 Bft gerechnet
werden, wobei der Wind zunehmend auf Südwest dreht.
Kurz noch ein Satz zum Süden, wo in den Abendstunden eine Druckwelle von West
nach Ost durchgeht und den SW-Wind vor allem im Alpenvorland vorübergehend auf
Böen 7-8 Bft anspringen lässt.

Temperaturen: Tagsüber bei guter Durchmischung maximal 11 bis 16°C, nachts 11
bis 4°C, im Bergland z.T. etwas darunter.

Samstag... kommt LUISE über die Kimbrischen Halbinsel nicht hinaus, wo sie sich
mächtig auffüllt und bereits am Mittag nur noch ein bodentrogartiges
Schattendasein fristet. Tja, so schnell kann´s gehen nicht nur in Hollywood und
auf dem Boulevard, auch die Atmosphäre kann mitunter gnadenlos sein: heute noch
ein vielbeachteter Star im Reigen synoptischer Hauptdarsteller, morgen nur noch
eine kaum mehr beachtete Randerscheinung. Nun gut, langweilen müssen wir uns
deswegen nicht, steht doch mit der werten MANJA bereist die nächste Wuchtbrumme
über dem nahen Atlantik parat. Mit einem Kerndruck von nahe 950 hPa hat das Tief
morgen Mittag gerade eine rapide Zyklogenese oder etwas martialischer
Bombogenese hinter sich, Position nord-nordwestlich von Irland.

Bevor dieses Sturm- respektive Orkantief aber bei uns so richtig ins Geschehen
eingreift, steht erstmal ein zwar nicht ruhiger, im Vergleich aber relativ
überschaubarer Samstag auf dem Zettel. Zwischenhocheinfluss nennt man sowas in
der Regel, was im morgigen Fall aber nur bedingt zutrifft. Nur langsam
verabschiedet sich der abtropfgefährdete Höhentrog gen Osten und der
nachfolgende flache Rücken taugt nicht wirklich, um hier nennenswerten
Druckanstieg zu initiieren. So bleibt es bei einem schmalen, zonal exponierten
Hochkeil über Süddeutschland, der dort zwischen den Wolken ein paar
Sonnenfenster öffnet. Ansonsten bleibt es bei einer wenn auch leicht
antizyklonal konturierten Zonalströmung, die aber nicht verhindern kann, dass
schauerartig geprägter, an den Trog geknüpfter Regen von West nach Ost
durchgeht. Dahinter lockert es zwar etwas auf und bleibt auch für ein paar
Stunden trocken. Zum Abend hin allerdings kündigen sich im Westen schon die
Vorboten von MANJA in Form mehrschichtiger Bewölkung und ersten Tropfen an.

Kurz noch zum Wind, der aus Südwesten bis Westen kommend (im Osten anfangs noch
aus Süden) weiterhin böig auffrischt mit Böen 6-7 Bft, Bergland/Leelagen/Küste
7-9 Bft, Brocken bis 11 Bft. Erst im Laufe des Nachmittags und Abend kehrt dann
ein bisschen Ruhe ein, quasi die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Höchsttemperatur 9
bis 15°C.

In der Nacht zum Sonntag wird´s wieder ernst. Das Orkantief passiert den
äußersten Norden Schottlands in Richtung nördliche Nordsee. Mit am Start das
okkludierende Frontensystem, das dem Vorhersageraum schon bedrohlich (sagt man
so, ´ne echte Bedrohung ist es natürlich nicht) nahekommt. Äußerst kräftige WLA
setzt ein, mit der von Südwesten her eine milde, vor allem aber fett
feuchtgesättigte Luftmasse von der Biskaya bzw. dem Seegebiet west-südwestlich
zu uns gelangt. T850 steigt im Süden und in der Mitte auf 6 bis 9°C an, doch
weit imposanter sind die Werte des PPWs, das auf 30 mm oder sogar darüber
ansteigt. Auf so etwas haben wir lange warten müssen, werden doch damit die
Voraussetzungen geschaffen, endlich mal "richtiges" Regenereignis (wir bräuchten
natürlich noch mehr davon) zu generieren. Und auch der Wind lässt sich nicht
lumpen.

Zuerst der Regen, der sich im Laufe der Nacht ostwärts ausbreitet und dabei
besonders nach Mitternacht (man beachte, die zweite Nachthälfte dauert wegen der
Zeitumstellung eine Stunde länger) an Intensität zulegt. Vor allem in den
Staulagen der westlichen Mittelgebirge schüttet es z.T. wie aus Kannen, was in
der morgendlichen Schlussbilanz Mengen zwischen 25 und 40, lokal vielleicht um
50 l/m² innert 6 bis maximal 12 Stunden zur Folge hat. Am frühen Morgen gelangt
der äußerste Nordwesten auf die Rückseite der Okklusion, was das Ende des
skaligen Regens, aber nicht das Ende des Regens per se bedeutet. Grund sind
erste Schauer, die von der Nordsee her das küstennahe Binnenland streifen.

Punkt #2 betrifft den Wind, der zunächst aus südlichen Richtungen weht, später
dann auf Südwest dreht. Von West nach Ost frischt der Wind spürbar auf mit Böen
7-8 Bft in tiefen Lagen (zu mehr dürfte es aufgrund der sehr stabilen Schichtung
noch nicht reichen) und 9 bis 12 Bft je nach Exposition auf den Bergen. Über der
Deutschen Bucht kommt ein schwerer Südsturm in Gang, auf freier See mit
Orkanböen 12 Bft, an den Küsten nicht zuletzt wegen der "ungünstigen" (in Sachen
Sturmflut sollte man eher von "günstig" sprechen) maximal 10 Bft. Nach Durchgang
der Okklusion bzw. Kaltfront ebbt der auf SW drehende Wind kurzzeitig ab, um
dann gerade auf und an der Nordsee aber rasch wieder zuzulegen.

Tiefstwerte 11 bis 6, im Südosten bis 2°C.

Sonntag... zieht MENJA in Richtung Seegebiet Viking. Auf dem Weg dorthin hat sie
ihren Karrierehöhepunkt bereits überschritten, was am kongruent überlagerten
Höhentief und der damit verbundenen senkrechten Drehachse erkennbar ist. Trotz
mariner Position füllt es sich allmählich auf, bringt um 12 UTC aber immer noch
beachtliche 960 hPa (oder sogar etwas weniger) auf die barische Waage. Das
reicht dicke, um bei uns einen mehr als veritablen Druckgradienten aufrecht zu
halten, der zudem noch Unterstützung durch die zunehmend labile Schichtung der
frisch einfließenden maritimen Polarluft erfährt (mP; Rückgang T850 auf 4 bis
0°C, T500 Norden/Mitte auf -25 bis -28°C). Die teilokkludierte Kaltfront zieht
aus Deutschland raus, was im Süden aufgrund alpin verursachter fehlender
Barrierefreiheit am längsten dauert.

Dort regnet es auch entsprechend am längsten und intensivsten, erst im Laufe des
Abends zieht sich der Niederschlag in die Alpen zurück. Nun sind es die
Staulagen der südlichen Mittelgebirge sowie das Allgäu, wo es ordentlich
schüttet mit 6- bis 12-stündigen Summen zwischen 25 und 40, im Schwarzwald lokal
bis 50 l/m². Berücksichtigt man, dass es im Schwarzwald schon nachts regnet,
sind dort sogar noch größere Mengen vorstellbar, was bisher aber lediglich von
ICON simuliert wird. Das heißt, die Frage Unwetterwarnung oder ausgereizte
Dauerregenwarnung muss noch etwas verschoben werden. Festhalten können wir, dass
sich im Rest des Landes Schauer und einzelne Graupelgewitter entwickeln, die mit
Böen 8-9 Bft, im Norden bis 10 Bft einhergehen können.

Darüber hinaus frischt der zunehmend auf Südwest bis West drehende Wind
insbesondere in der Nordwesthälfte stark bis stürmisch auf mit Spitzen 7 bis 9
Bft, auf den Bergen und Kuppen bis zu 12 Bft. Der Hauptfokus liegt auf und an
der Nordsee, wo sich der Wind von einem schweren Süd- in einen schweren
Weststurm wandelt. Auf der freien See treten nach wie vor Orkanböen 12 Bft, an
der Küste schwere Sturmböen oder orkanartige Böen 10/11 Bft auf. Im Süden ist
vor allem der Frontdurchgang von Belang (Stichwort Leitplankeneffekt) mit Böen
bis 9 Bft, auf den Bergen mehr.

Höchsttemperatur: 9 bis 15, am Rhein lokal 16 oder 17°C.




Sonntag...

Modellvergleich und -einschätzung
--------------------------------------------------------------
Insgesamt haben sich die Modelle angeglichen was Zugbahn und Intensität der
bestimmenden Tiefdruckgebiete angeht. Die gestern noch in Augenschein genommene
Wahrscheinlichkeit für Böen 11 Bft im Westen heute Abend ist inzwischen auf null
gesunken und auch Böen 10 Bft sind etwas weniger wahrscheinlich geworden. Aber
wie heißt es so schön, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wir sollten
jedenfalls genau draufschauen, was stromauf bei unseren Nachbarn passiert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann



S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 23.10.2026 um 10.30 UTC



Anfangs stürmische Böen an den Küsten und auf den Mittelgebirgen, ab Mittwoch
ruhiges Herbstwetter
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 30.10.2026


Fazit vorweg: In der neuen Woche setzt sich das dynamische Wetter zunächst fort,
wobei der Süden eher unter dem Einfluss von Hochdruckgebieten liegt, während der
Norden überwiegend Tiefdruckeinfluss ausgesetzt ist. Nach Wochenmitte dehnt sich
hoher Luftdruck aus, der seinen Einfluss bis zum Wochenende behält. Dabei ist es
für Ende Oktober sehr mild.

Die neue Woche startet am Montag mit einem rasch ostwärts abziehenden Trog und
dem nachfolgenden Aufbau eines Keils von Westen, dessen Achse in der zweiten
Hälfte der Nacht zum Dienstag von Südwest nach Nord über Deutschland liegt. Im
Bodenfeld zeigt sich der Süden Deutschlands am Montag unter Hochdruckeinfluss
(>1020 hPa), während der Norden unter dem Einfluss von Tiefdruckgebieten über
Nord- und Nordwesteuropa liegt. Am Abend zieht die Warmfront eines Tiefs mit
Zentrum nordwestlich der Britischen Inseln in den Westen und Nordwesten
Deutschlands, von wo aus sie sich in der Nacht ost-nordostwärts schiebt. Dabei
fließt nicht nur feuchte, sondern in 850 hPa auch deutlich mildere Luft ins Land
- bis 12 Grad in 850 hPa im Westen, wohingegen im Osten zunächst um 5 Grad
liegen bleiben.

Am Dienstag wird die Keilachse von einem Trog ostwärts verschoben. Die milde
Luft flutet das ganze Land, was in Maxima von bis zu 21 Grad im Südwesten
resultiert. In der Nacht zum Mittwoch erreicht die Achse des Troges über
Nordwesteuropa den Nordwesten Deutschlands. Die eingelagerte Kaltfront bringt
neben kühlerer Luft auch wieder Regen. Zunehmender Druckgradient sorgt für
vorübergehend auffrischenden Süd- bis Südwestwind. Die sind an den Küsten und im
Bergland erneut stürmische Böen wahrscheinlich. In den Niederungen im Binnenland
ist der Wind mäßig bis frisch unterwegs. In der Nacht zum Mittwoch zieht der
Bodentrog von Nordwest nach Ost über Deutschland hinweg, der Höhentrog folgt
langsam hinterher. Hinter der Kaltfront fließen nur noch 1 bis 5 Grad in 850 hPa
zu uns.

Am Mittwochvormittag zieht auch der Höhentrog ostwärts aus Deutschland ab. Die
Strömung dahinter ist zonal mit einer leichten Tendenz zu zyklonal. Am Boden
dehnt sich aus Südwesten hoher Luftdruck aus, der die Luft rasch abtrocknen
lässt. Im Norden schwenkt jedoch im Tagesverlauf ein schwacher Bodentrog durch,
der mit etwas Hebung nochmal für dichte Wolken und Regen sorgt. Der Wind lässt
insgesamt nach, es sind aber weiterhin stürmische Böen an den Küsten möglich. In
der Nacht zum Donnerstag schwenkt ein kleiner Randtrog in der Höhe über den
Norden und Nordosten Deutschlands, was abermals mit feuchter Luft und etwas
Regen einhergeht. Nach Süden hin dominiert unter hohem Luftdruck Absinken, was
gebietsweise zu dichtem Nebel führt.

Aus dem Randtrog in der Nacht entwickelt sich am Donnerstag ein amplifizierender
Trog östlich von uns. Bis in die Nacht zum Freitag reicht der Trog von Finnland
über das Baltikum und Polen bis nach Rumänien. Der Osten Deutschlands liegt auf
der Rückseite, mit der Tendenz zu mehr Wolken und gelegentlichem leichten Regen
im Grenzgebiet. Sonst wird es unter Einfluss eines Bodenhochs und der
zunehmenden Unterstützung durch einen Keil in der Höhe deutlich freundlicher.
Mit auffächerndem Druckgradienten nimmt der Wind endgültig ab. Die Luft wird aus
Südwesten wieder milder.

Am Freitag und Samstag sorgen Hochdruckeinfluss und milde Luft für ruhiges und
nach Auflösung von Nebel und Hochnebel (was durchaus bis mittags dauern kann)
auch oft sonniges Wetter. Das Hochzentrum verlagert sich gen Südskandinavien.
Mit zunehmend östlicher Strömung wird die milde Luft (>10 Grad in 850 hPa) über
Frankreich aufgehalten. Bei 5 bis 10 Grad in 850 hPa erreichen die
Tageshöchstwerte 12 bis 17 Grad. Ein kleines Fragezeichen ergibt sich noch in
der Prognose des Troges über Osteuropa. Aus ihm soll sich am späten Freitag ein
umfangreiches Höhentief entwickeln, dessen Verlagerung am Samstag zwar gen Süden
geht, aber mit der Tendenz der Doppelkernstruktur und damit dem Potenzial des
umeinander Drehens, was für den äußersten Osten und Südosten noch Überraschungen
liefern könnte (dichte Wolken, Regen, Schauer).
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Der aktuelle IFS-Lauf weist für die Mitte Europas eine hohe Konsistenz zu seinen
Vorgängern auf. Die neue Woche startet wechselhaft und windig mit wiederholtem
Frontendurchgang. Ab Donnerstag baut sich hoher Luftdruck auf, der sich bis zum
Wochenende halten kann und auch von einem Keil gestützt wird. Dann fließt auch
wieder deutlich mildere Luft ins Land. Für den Norden und Osteuropas divergieren
die Modellläufe ab Wochenmitte stark. Der Tiefdruckeinfluss am Boden und in der
Höhe wird von Lauf zu Lauf unterschiedlich simuliert.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die anderen Mittelfristmodelle sind der IFS-Vorhersage sehr ähnlich.
Unterschiede ergeben sich im zeitlichen Ablauf (+/- 3 Stunden) der Tröge, sowie
im Aufbau des Keils/Rückens am Donnerstag. Da hängt IFS etwas hinterher.
Prinzipiell gibt es aber keinen Ausreißer. Die unterschiedliche Prognose für
Osteuropa bildet sich auch zwischen den Modellen ab.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse ist wenig überraschend. Sie bietet für den ersten Zeitschritt
(Montag/Dienstag) zwar 6 Lösungen (das Maximum) aber nur ein Regime: NAO
positive. Die Unterschiede beschränken sich bei uns auf die Amplitude des
Troges, deren Abzug mit sofortigem Aufbau des Keils ist aber in allen Lösungen
vorhanden.
In Zeitschritt zwei (Mittwoch bis Freitag) wechselt das Regime zu Blocking und
das bleibt auch in der erweiterten Mittelfrist am Wochenende erhalten.

Die Rauchfahnen sind bis Dienstag eng und weisen eine Berg- und Talfahrt auf,
wie es nur dynamische Lagen können. Ab Mittwoch werden die Ensembles ruhiger und
der Spread geht auf. Es gibt einen leichten Aufwärtstrend bei der Temperatur in
850 und auch beim Geopotential auf 500 hPa, der erst zum Ende der Ensembles
(Sonntag) wieder leicht rückläufig wird. Die Niederschlagssignale sind in dem
Zeitraum gering. Auch im Osten gibt es nur vereinzelte Ausreißer. Die
deterministische IFS-Prognose ist damit gestützt, nicht, dass ich sie
angezweifelt hätte.

Die Ensembles der andere Mittelfristmodelle sehen sehr ähnlich aus. Nach der
wilden Maus wechselt das Wetter zum Kettenkarussel. Beständig und ohne große
Überraschungen, aber auf sehr hohem (mildem) Niveau.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Im Mittelfristzeitraum gibt es keine signifikanten Wettererscheinungen. Der in
Böen anfangs stürmische südwestliche Wind an den Küsten (Bft 8) und die
einzelnen Sturmböen (Bft 9) auf wenigen Mittelgebirgsgipfeln sind im Herbst
nicht ungewöhnlich.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn


Quelle: Deutscher Wetterdienst